Was ist LRS?
LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche. Laut dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL) sind etwa 5 bis 8 Prozent aller Kinder betroffen. Es handelt sich um anhaltende und deutliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens, die nicht durch mangelnde Intelligenz, fehlenden Unterricht oder ungünstige Lernbedingungen erklärt werden können (Schneider, 2017).
Kinder mit LRS sehen Buchstaben und Wörter, können sie aber nicht so leicht entschlüsseln wie andere Kinder. Das Lesen bleibt mühsam und stockend, die Rechtschreibung fehlerhaft, obwohl das Kind sich anstrengt. Das ist frustrierend, für das Kind und für dich als Elternteil.
LRS ist keine Frage der Begabung. Viele Kinder mit LRS sind in anderen Bereichen ausgesprochen clever. Ihr Gehirn verarbeitet geschriebene Sprache einfach auf einem anderen Weg.
Typische Anzeichen für LRS in der Grundschule
Die folgenden Anzeichen können auf eine LRS hindeuten, besonders wenn mehrere davon über einen längeren Zeitraum auftreten.
Buchstaben verwechseln: b, d, p, q. Das ist das bekannteste Anzeichen. Dein Kind vertauscht Buchstaben, die sich in ihrer Form ähneln. In der ersten Klasse ist das noch völlig normal. Wenn es in der zweiten oder dritten Klasse weiterhin regelmäßig passiert, solltest du aufmerksam werden.
Langsames, stockendes Lesen. Dein Kind liest Wort für Wort, manchmal Buchstabe für Buchstabe. Es verliert oft die Zeile, liest Wörter falsch vor oder rät, anstatt zu lesen. Das Lesen kostet so viel Energie, dass der Inhalt kaum hängenbleibt. Wer das Leseverständnis in Klasse 2 gezielt trainieren möchte, findet dort Übungen mit Texten und Fragen.
Rechtschreibfehler trotz intensivem Üben. Dein Kind schreibt dasselbe Wort in einem Text dreimal unterschiedlich. Es vergisst Regeln, die gestern noch saßen. Fehler wie „Hont" statt „Hund" oder „Fogel" statt „Vogel" kommen regelmäßig vor, auch bei einfachen Wörtern. Falls das Diktat in Klasse 2 zum Dauerproblem wird, lohnt sich ein genauerer Blick.
Vermeidungsverhalten. Dein Kind weigert sich vorzulesen, „vergisst" die Leseaufgaben oder behauptet, es habe keine Hausaufgaben in Deutsch auf. Es meidet Situationen, in denen es lesen oder schreiben muss, weil es Angst hat, sich zu blamieren. Wenn dieses Vermeiden in Schulangst umschlägt, braucht dein Kind dringend Unterstützung.
Schwierigkeiten beim Abschreiben. Selbst das Abschreiben von der Tafel oder aus dem Buch fällt schwer. Dein Kind braucht auffällig lange, lässt Buchstaben oder ganze Wörter aus oder schreibt Wörter zusammen, die getrennt gehören.
Probleme mit der Lautunterscheidung. Dein Kind kann ähnlich klingende Laute nicht sicher unterscheiden (zum Beispiel „d" und „t", „g" und „k", „b" und „p"). Das wirkt sich sowohl auf die Rechtschreibung als auch auf das Lesen aus.
Unterschied: LRS und Legasthenie
Die Begriffe werden im Alltag oft gleichbedeutend verwendet, aber es gibt einen Unterschied.
LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche): Ein breiterer Begriff, der alle Formen von deutlichen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben umfasst. LRS kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel fehlende Förderung, längere Krankheit, psychische Belastungen oder eine genetische Veranlagung.
Legasthenie: Eine spezifische Form der LRS mit neurobiologischer Ursache. Legasthenie ist genetisch bedingt und besteht unabhängig von der Intelligenz des Kindes. Sie wird in der medizinischen Diagnostik nach ICD-11 als „Lese-Rechtschreib-Störung" klassifiziert.
Für dich als Elternteil ist der Unterschied im ersten Schritt weniger wichtig als die Frage: Braucht mein Kind Unterstützung? Die Antwort lautet bei beiden Ja.
Wie lässt sich LRS testen?
Eine fundierte Diagnostik ist der wichtigste Schritt, wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind LRS haben könnte. Die Diagnose erfolgt durch:
- Schulpsychologischen Dienst: Über die Schule oder das Schulamt erreichbar, kostenfrei.
- Kinder- und Jugendpsychologen: Können standardisierte Lese- und Rechtschreibtests durchführen.
- Kinder- und Jugendpsychiater: Für eine medizinisch anerkannte Diagnose, die auch für den Nachteilsausgleich relevant sein kann.
Die Testung umfasst in der Regel standardisierte Verfahren wie den Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT), Intelligenztests (um allgemeine Lernschwierigkeiten auszuschließen) und ein ausführliches Gespräch mit Eltern, Kind und oft auch der Lehrkraft.
Wann testen lassen? Wenn die Schwierigkeiten über mindestens sechs Monate bestehen und trotz regelmäßigem Üben keine Besserung eintritt. Eine Diagnostik ist in der Regel ab Ende der zweiten Klasse sinnvoll.
Was hilft bei LRS?
Lerntherapie. Anders als klassische Nachhilfe setzt Lerntherapie an den Grundlagen an. Ein ausgebildeter Lerntherapeut arbeitet mit deinem Kind an der Laut-Buchstaben-Zuordnung, am Leseprozess und an der Rechtschreibstrategie. Die Kosten werden unter bestimmten Voraussetzungen vom Jugendamt übernommen (§ 35a SGB VIII).
Nachteilsausgleich in der Schule. Wenn eine LRS offiziell diagnostiziert ist, hat dein Kind in den meisten Bundesländern Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Das kann bedeuten: mehr Zeit bei Arbeiten, keine Bewertung der Rechtschreibleistung in bestimmten Fächern oder mündliche statt schriftliche Prüfungen. Sprich mit der Klassenlehrkraft und der Schulleitung darüber.
Regelmäßiges, druckfreies Lesen. Lass dein Kind lesen, was es möchte. Comics, Witzbücher, Sachbücher über Dinosaurier. Es kommt nicht auf die Literaturqualität an, sondern darauf, dass dein Kind positive Erfahrungen mit dem Lesen macht. Gemeinsames Lesen am Abend (du liest eine Seite, dein Kind die nächste) kann den Einstieg erleichtern.
Ermutigung statt Korrektur. Wenn dein Kind dir vorliest und Fehler macht, korrigiere nicht jeden einzelnen. Freu dich über das, was klappt. Ein Kind, das das Gefühl hat „Ich schaffe das nie", wird immer weniger lesen. Ein Kind, das hört „Das hast du toll gemacht, der Text war wirklich schwer", wird es wieder versuchen.
Digitale Lernhilfen. Für Kinder mit LRS können digitale Übungen hilfreich sein, weil sie das Tempo selbst bestimmen und niemand zuguckt. Unser Artikel Deutsch Klasse 2: Übungen online bietet erste Ansatzpunkte. Und wenn schlechte Noten in der Grundschule zum Dauerthema werden, findest du dort eine sachliche Einordnung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL): Informationen zu LRS – Prävalenz ca. 5–8 % der Kinder.
- Schneider, W. (2017): Lesen und Schreiben lernen. Springer.
- § 35a SGB VIII: Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (Kostenübernahme Lerntherapie).
- ICD-11: Lese-Rechtschreib-Störung als umschriebene Entwicklungsstörung.
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Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine professionelle Diagnose. Bei Verdacht bitte den schulpsychologischen Dienst, Kinderarzt oder spezialisierte Fachkräfte aufsuchen.
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